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© Andreas Fuchs

Liebe Besucherinnen und Besucher,

ich bin kein Sportkletterer und noch weniger Profisportler. Das lässt mir Freiraum. Ich sehe mich als Alpinist und somit einer langen Tradition verpflichtet. Hier geht es nicht um reine Zahlen, Schwierigkeiten, Zeiten. Der Alpinismus produziert zuallererst Erfahrungen und ist weder messbar noch vergleichbar. Somit ist und bleibt jede unternommene Tour einzigartig! Um das Bergsteigen begreifen zu können, muss es ge- und erlebt werden. Hier ist jeder Einzelne für sich gefragt.

Der Alpinismus entstand in den Alpen vor etwa 250 Jahren, vielleicht aus reiner Neugierde heraus. Vielleicht aber auch als eine Möglichkeit, der urbanen Gesellschaft – kurzzeitig wenigstens – zu entfliehen. Bis heute ist das Gebirge ein großartiger Lehrmeister geblieben. Und auch wenn sich die Möglichkeiten verändert haben (leichtes und besseres Material, gezieltes Training, Wetterbericht…), nichts bleibt “ehrlicher” als das Gebirge. Alle Fehler die ich hier mache, mache ausschließlich ich. Dem Berg ist es “egal”, ob ein Stein mich trifft. Mir aber nicht! Diese Erkenntnis ist fundamental. Daher gilt es wachsam zu bleiben, möglichst keine Fehler zu machen und fortlaufend zu lernen – eine große und erfüllende Aufgabe zugleich!

In der Natur unterwegs zu sein – ob nun im Fels, im Eis, im kombinierten Gelände, in einer Nordwand oder auch in einem Klettergarten – ist und bleibt für mich die schönste Möglichkeit überhaupt bewusst zu leben. Doch so war das nicht immer. Als Bub wollte ich vom Klettern und Bergsteigen nicht viel wissen. Das Thema war zu präsent in meiner Familie – zu alltäglich, als dass es mich überhaupt interessiert hätte – andererseits hatte ich Höhenangst. Wieso dorthin gehen, wo ich mich unwohl fühlte? Also blieb ich am Boden. Langweilig war mir damals aber nicht! Später, mit etwa 15 oder 16 Jahren, waren es meine Freunde und mein Vater, die mich zum Klettern mitnahmen und mir eine Welt zeigten, die mich zu faszinieren begann. Meine Angst, mein Unbehagen, zwangen mich übervorsichtig zu sein: “Ja nicht stürzen, dann kann auch nichts passieren!” war meine Devise. Sie ist es bis heute geblieben.

Nach abgeschlossener Matura studierte ich Molekularbiologie in Innsbruck. Für mich sollte es ein Ausgleich sein: Einerseits die Mikrowelt der Moleküle, andererseits die Makrowelt der Berge. Meine Masterarbeit schrieb ich zu den Themenbereichen Epigenetik und Immunologie. So spannend die Laborarbeit zu Beginn auch war, bald schon begann sie mich zu langweilen. Zu lange Labortage (auch bei schönem Wetter!!), zu wenig Zeit zum Klettern. Ich schloss mein Studium ab (zugegeben, mein Kummer darüber hielt sich in Grenzen) um in eine für mich damals neue Welt einzutauchen: Das Filmemachen.

Zusammen mit meinem Vater und im Rahmen der Messner Mountain Movie erzählen wir nun Geschichten in Filmformat. Als “Storryteller” zeigen wir wie der Mensch reagiert, wenn er in die wilde Natur hinausgeht und sich exponiert. Es sind Geschichten, die das Leben schrieb. Dargestellt und erzählt werden sie durch Bergsteiger am Berg und Schauspieler im Tal. Hauptakteur aber bleibt – wie beim Bergsteigen auch – der Berg.

 


 ©Martin “Mungo” Hanslmayr

©Tabea Baur_Servus TV